Jens Spahn und meine Sicht der Dinge

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Eine Antwort auf seine Forderungen in der Abtreibungsfrage – auf Kosten der Frauen – und der Erhöhung der Pflegequalität – auf Kosten der Pflegekräften.

Sehr geehrter Herr Spahn,

im Gegensatz zu Ihnen „lieben wir das Leben“ und machen keine Unterschiede zwischen einem Menschen- oder Tierleben. Sie werfen den Gegnern des Werbeverbotes zur Schwangerschaftsabtreibung vor, dass sie eher für Tierleben, als für Menschenleben eintreten. Das ist nicht so.

Meine persönliche Meinung ist, dass die betroffenen Frauen, die sich mit der Frage: „Abbruch ja oder nein“ rumschlagen müssen – nicht negativ beeinflusst werden von ärztlicher Information, wie ein Abbruch vonstattengeht. Diese Information muss den Frauen frei zugänglich sein und nicht hinter verschlossenen Türen herausgegeben werden. Die Problematik in Deutschland steht auf einem anderen Blatt. Denn die vorgeschriebene Beratung besteht doch mittlerweile oft nur auf dem Papier, welches die betroffenen Frauen zu unterschreiben haben. Das ist das eine Problem. Die Qualität der Beratung muss um einiges gesteigert werden und die Aufzählung der positiven Aspekte kommt meiner Meinung sehr oft viel zu kurz.

Auch handelt es sich oft um Frauen, die alleine vor dieser Entscheidung stehen und wissen, dass Ihr Partner sie auch nicht in Zukunft unterstützen werden. Wenn wir aber wissen, dass 80 % der Alleinstehenden in Deutschland abhängig von Harz IV Leistungen sind – entweder als alleinige Unterstützung oder als sogenannte Aufstocker, sehen wir einen entscheidenden Aspekt „gegen das Leben“. Wissen Sie, Herr Spahn, diese Aussicht auf die persönliche Zukunft macht Angst und hat sicherlich einen großen Einfluss auf die Entscheidung.
Und wer ist der Meinung, dass die Harz IV Sätze noch zu hoch angesetzt sind? Herr Spahn und seine CDU. Wer liebt also das Leben? So ein Satz ist um einiges Vielschichtiger, als Sie in einer polemischen Überschrift unterbringen können.

Und noch so ein Vorschlag, den Sie in Ihrer kurzen und unvorbereiteten Zeit als Gesundheitsminister von sich lassen. Da schlagen Sie tatsächlich vor, dass die Qualität der Ausbildung der Pflege erweitert werden müsse und die Pflegekräfte auch ärztliche Aufgaben übernehmen sollen. Hört sich ja gut an und wer will schon nicht mehr Qualität in der Pflege? Nur wir müssen natürlich auch hier weiter nachdenken, denn wir reden doch heute von einer Überlastung der Pflegekräfte, die durch die engen Vorgaben auch Ihrer Partei immer mehr in das Abseits gedrängt werden und deswegen scharenweise aus diesem Beruf flüchten. Sie wollen also, dass die Pflegekräfte mehr Aufgaben von den Ärzten übernehmen sollen? Ich bin mir sicher, dass sehr viele Pflegekräfte schon jetzt viel mehr Ahnung und Erfahrung haben und auch kompetenter sind als viele Ärzte. Aber das heißt nicht, dass wir den Pflegekräften mehr Aufgaben aufbürden sollten – und wie ich sie kenne, natürlich zum gleichen Gehalt und nicht mit großen gerechten Aufschlägen, die der Verantwortung nur gerecht werden würden.

Also wieder ein Vorschlag von Ihnen, der unausgegoren und nicht weiter bedacht wurde. Für mich sind sie bis jetzt eine klare Fehlbesetzung in diesem Amt. Da ich das Leben liebe, hoffe ich aber, dass Sie am Ende Ihrer Ministerzeit nicht nur als „Phrasendrescher“ und „Gesundheitslobbybevorzuger“ dastehen, sondern wirklich eine greifbare Verbesserung für die Gesundheit in Deutschland bewirken. Nur dieses Ziel erreicht man eher als Leisetreter.

Mit lieben Grüßen aus dem schönen Göttingen

© Holger Pangritz, Göttingen 18. März 2018


Hintergrundinformationen:

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/spahn-es-geht-um-ungeborenes-menschliches-leben-15499812.html?GEPC=s2

 

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